Zum Inhalt springen
Zurück zum Wissensarchiv

Wissen

Umstellung ist kein Selbstläufer

Thomas Gaul berichtet über die Bio2030-Mitmach-Tagung in Hannover und fasst zusammen, welche Standort-, Nährstoff- und Kooperationsfragen für die Umstellung auf Ökolandbau zentral waren.

18. April 2019 Presse-Artikel Thomas GaulAckerbau
Umstellung ist kein Selbstläufer

Ökolandbau. Über 150 Bio-Landwirte (und solche, die es werden wollen) trafen sich in Hannover, um sich über Öko-Landbau und Bio-Märkte heute und morgen auszutauschen. Die Veranstaltung war erstmals als „Mitmach-Tagung“ konzipiert.

Die gut besuchte Mitmachtagung lockte mit ihrem neuen Veranstaltungsformat viele interessierte Biobauern und Umstellungswillige aus ganz Norddeutschland nach Hannover. — Fotos: Gaul

Das war mal etwas Neues. Statt der auf Fachtagungen üblichen Referate sollten in dieser Veranstaltung die Landwirte untereinander in Arbeitsgruppen über aktuelle Fragestellungen diskutieren. „Unser Ziel ist die praktische Entwicklung des Biolandbaus durch die Akteure selbst“, umschrieb Conrad Thimm das Ziel der Tagung.

Die Tagung selbst begann mit Kurzreferaten von neun Biolandwirten. Sie stellten kurz ihren Betrieb vor und nannten einen Schwerpunkt, zu dem dann in den einzelnen Arbeitsgruppen untereinander diskutiert wurde.

Was bleibt festzuhalten?

Die Umstellung auf „Bio“ ist kein Selbstläufer. Es reicht nicht, nur den interessanten Absatzmarkt im Blick zu haben. Auch die ackerbaulichen Voraussetzungen müssen stimmen. Die Veranstaltung machte deutlich, wie Ökolandbau unter den schwierigen klimatischen Bedingungen an unterschiedlichen Standorten Norddeutschlands in vielfältigen Lösungen erfolgreich betrieben werden kann.

Die Standortunterschiede sind selbst innerhalb Niedersachsens groß: Ein Lössboden in der Hildesheimer Börde muss nun einmal anders bewirtschaftet werden als ein Sandboden im Weser-Ems-Raum.

Zu den geografischen Unterschieden kommen die klimatischen: „Das ideale Klima ist kontinental-feucht“, betonte Berater Gustav Alvermann: „In Bayern und Baden-Württemberg fallen im Mai im Durchschnitt 80 mm Regen, da funktioniert die Umstellung gut.“ Warum ist das so wichtig? Eine große Herausforderung im Ökolandbau liegt in der Pflanzenernährung. Die Stickstofffreisetzung im Boden sollte möglichst parallel zum Bedarf der Pflanze erfolgen.

„Getreide lässt sich im Ökolandbau schwer ernähren“, so Alvermann. Dadurch seien auch die teilweise geringeren Erträge im Ökolandbau zu erklären. Eine zentrale Rolle bei der Nährstoffversorgung und beim Humusaufbau spiele das Kleegras. Nur müsse der Aufwuchs auch verwertet werden – entweder durch eine Biogasanlage oder durch die Kooperation mit einem Milchviehbetrieb. Überhaupt sind Kooperationen im Ökolandbau ein Erfolgsfaktor, wie sich in allen Diskussionsrunden zeigte.

Als Orientierungsrahmen diente die Erfolgsmatrix für den ökologischen Ackerbau, die von Gustav Alvermann aufgestellt wurde. Mit gegebenen Faktoren wie Boden, Klima, Pachtpreise im Zusammenspiel mit gestaltbaren Faktoren, Marktfruchtpalette und Verbundwirtschaft wurde systematisch dargestellt, wie aus unterschiedlichen Voraussetzungen und dem notwendigen Anpassen der Pflanzenbau-Palette ein im Gesamtergebnis weitgehend ausgeglichenes Produktionskonzept entsteht.

So kann das Organisieren einer Kleegras-Verbundwirtschaft die überwiegend negativen Vorzeichen eines schweren Bodens im maritimen Klima ausgleichen. Ist der Boden leicht, die Pachtpreise aber hoch, kann ein Kraftfutter-Hühnertrockenkot-Verbund und die Aufnahme von Körnermais in die Produktionspalette die Lösung sein. Mit dem Anbau von Kartoffeln, Gemüse und Zuckerrüben lässt sich das Ergebnis noch einmal deutlich verbessern – vorausgesetzt, der Standort gibt es her und Produktionstechnik und Qualitäten stimmen.

Ein anderes Thema war, wie Beikraut in den Kulturen mithilfe von technischen Lösungen reguliert werden kann, und in welchen Regionen Bio-Erzeuger als Lieferanten gesucht werden. Ein aktueller Aspekt ist, wie die Bio-Verbände damit ringen und wie innerhalb der Bio-Verbände damit gerungen wird, dass mehr Ökofläche mit mehr „Mainstream-Markt“ einhergeht, was Naturkosthandel und Direktvermarkter teilweise unter Druck setzt.

Lebendiges Format

Die „Mitmach-Tagung“ zeigte, dass es jenseits von Referaten und Podiumsdiskussionen sehr lebendige Formate zur Beteiligung aller Teilnehmer bei Veranstaltungen gibt. „Erste Reaktionen haben laut Thimm gezeigt, dass die Tagung auf fruchtbaren Boden gefallen ist. „Wir haben auch selbst gelernt, dass wir in Zukunft manche Details noch präziser vorbereiten müssen und vor allem bei so einer großen Anzahl an Referenten stringenter auf die Zeit achten müssen, damit die neuen Ideen aus den Arbeitskreisen nicht zu kurz kommen,“ so Thimm.

Ist also an eine Wiederholung gedacht? „Gerne machen wir so etwas wieder“, sagte der Fachberater auf die Frage der LAND & Forst, „in einer kleineren Region, für einzelne Wertschöpfungsketten und zu Fragen, die aktuell anliegen. Am liebsten kümmern wir uns um Programm und Moderation und überlassen Werbung, Finanzen und Verwaltung einer veranstaltenden Organisation“. Thomas Gaul