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Umstellung passt nicht zu jedem Betrieb

Der LAND-&-Forst-Beitrag ordnet die Umstellung auf Ökolandbau in Schweinehaltung, Rinderhaltung und Ackerbau ein und dokumentiert Einschätzungen aus Beratung, Wissenschaft und Ökoverbänden.

9. Juni 2016 Presse-Artikel Dr. Ulrich Klischat, Conrad ThimmTierhaltung
Umstellung passt nicht zu jedem Betrieb

Ökolandbau: Steigende Erzeugerpreise bei ökologisch erzeugten Lebensmitteln machen eine Umstellung auf Ökolandwirtschaft attraktiv. Wer sich für diese Alternative entscheidet, muss sich auf grundlegende Veränderungen einstellen.

Alles bio oder was? Auf Verbraucherseite boomt die Nachfrage nach Öko-Produkten. Doch die Erzeuger halten mit dem Wachstum noch nicht Schritt. — Foto: Agrar-press

Viele konventionell wirtschaftende Landwirte beschäftigen sich zurzeit mit der Frage, ob sie auf Öko-Landbau umstellen sollten. Denn während der Umsatz von Öko-Lebensmitteln im Handel im zweistelligen Prozentbereich wächst, nimmt die Produktion auf den Höfen nur sehr verhalten zu.

Doch ein Wechsel auf eine ökologische Wirtschaftsweise will genau überlegt sein. Diese Veränderungen kommen auf Umsteller in den Segmenten Schweinehaltung, Rinderhaltung und Ackerbau zu:

1 Ökologische Schweinehaltung

Nach Abschluss eines Kontrollvertrages mit einer anerkannten Zertifizierungsstelle und der Einhaltung der Richtlinien können nach 6 Monaten erzeugte Schweine als Ökoschweine vermarktet werden. Die Tierzahl je ha LN und bezogen auf die Stallfläche ist begrenzt. Tageslicht, natürliche Belüftung und ständiger Auslauf für Sauen, Ferkel und Mastschweine sind Grundvoraussetzung, ebenso wie eine trockene, eingestreute Liegefläche. Erlaubt ist ein Spaltenbodenanteil von max. 50 %. Das Kupieren der Schwänze ist grundsätzlich verboten. Abgesetzte und niedertragende Sauen müssen in Gruppen gehalten werden. Säugende Sauen dürfen in Ausnahmefällen maximal 8 Tage ohne Auslauf gehalten werden. Die Säugezeit darf 40 Tage nicht unterschreiten.

Fütterung: Futtermittel müssen laut EG-Öko-Verordnung frei von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) und deren Derivaten sein. Bis Ende 2017 darf der Anteil bestimmter konventioneller Futtermittel, bezogen auf die Trockenmasse in der Futterration, 5 % betragen. Ökobauern dürfen Ferkel zur Mast nur aus anerkannten Ökobetrieben zukaufen. Der Zukauf von Jungsauen bzw. Zuchtläufern aus konventioneller Aufzucht ist bei 20 % des Bestandes gedeckelt. Nur in Ausnahmefällen ist eine Remontierung aus konventionellen Beständen bis zu 40 % gestattet. Konventionelle Zuchteber zuzukaufen ist grundsätzlich erlaubt.

Krankheitsvorsorge: Diese Grundregeln gelten in der gesamten Öko-Tierhaltung: Phytotherapeutische und homöopathische Mittel sind chemisch-synthetischen allopathischen Tierarzneimitteln oder Antibiotika vorzuziehen. Verboten ist der präventive Einsatz von chemisch-synthetischen allopathischen Tierarzneimitteln. Kurativ dürfen sie aber auf Anordnung des Tierarztes eingesetzt werden. Die Wartezeit nach Verabreichung allopathischer Tierarzneimittel muss doppelt so lang sein wie die gesetzlich vorgeschriebene Zeit. Erhält ein Tier mehr als eine Behandlung, wenn der Lebenszyklus des Tieres unter einem Jahr liegt, darf dieses Tier nur noch konventionell vermarktet werden.

2 Ökologische Rinderhaltung

Die Tierhaltung ist flächengebunden. Die Anzahl der Tiere je Flächeneinheit ist auf 170 kg N/ha begrenzt. Wer Rindern Weidegang anbietet und im Winter einen Laufstall zur Verfügung stellt, kann in den Wintermonaten auf den Auslauf verzichten. Im Stall muss den Tieren ein eingestreuter Liegebereich bereit stehen. Maximal 50 Prozent der Stallfläche darf aus perforierten Böden bestehen. Der Platzbedarf für Stallflächen und Auslaufflächen ist vorgegeben.

Fütterung: Die Tiere müssen ausschließlich mit ökologisch erzeugten Futtermitteln gefüttert werden, davon soll ein möglichst hoher Anteil über hochwertiges Grundfutter abgedeckt werden. Futter aus dem ersten Jahr der Umstellung von mehrjährigen Futterkulturen dürfen bis zu 20 Prozent TS der jährlichen Futteraufnahme ausmachen. Bis zu 30 Prozent der Futterration (TS) dürfen im Jahresdurchschnitt auf Umstellungsflächen erzeugt worden sein - das heißt von Flächen, die zum Erntezeitpunkt schon mindestens zwölf Monate ökologisch bewirtschaftet wurden. Bei Umstellungsfuttermitteln vom eigenen Betrieb darf der Anteil bis zu 100 Prozent der Ration ausmachen. Junge Säugetiere werden auf der Grundlage natürlicher Milch, vorzugsweise Muttermilch ernährt. Der Mindestzeitraum für die Milchtränke beträgt bei Kälbern 3 Monate.

Eingriffe am Tier: Eingriffe am Tier dürfen nicht systematisch durchgeführt werden. Hierunter fällt auch das Enthornen. Wenn aufgrund einer Ausnahmegenehmigung enthornt wird, muss der Schmerz mit lokaler Narkose und anschließender Verabreichung von Schmerzmitteln gemildert werden.

Umstellungszeiten: Bevor Tiere und deren Erzeugnisse mit einer Öko-Kennzeichnung vermarktet werden dürfen, muss für die Tiere eine Mindestdauer eingehalten werden, in der sie nach den Richtlinien des Ökologischen Landbaus gehalten und gefüttert werden. Für Schlachtrinder gilt eine Umstellungszeit von 12 Monaten bzw. 3/4 der Lebenszeit. Milch darf 6 Monate nach Einhaltung aller Richtlinien als Ökomilch vermarktet werden.

3 Ökologischer Ackerbau

Fruchtfolge: Der Schlüssel zum Erfolg im ökologischen Pflanzenbau sind vielfältige Fruchtfolgen. Die Stellung der Kulturen in der Fruchtfolge entscheidet mit über das Auftreten von Fruchtfolgekrankheiten, Wurzelunkräutern und Schädlingsbefall. Leguminosen wie Kleegras und/oder Körnerleguminosen nehmen eine wichtige Position ein und sind wichtige N-Lieferanten. Zudem sind Anbaupausen und der Wechsel von Winter- und Sommerungen konsequent zu beachten. Fünf- bis sechsgliedrige Fruchtfolgen sind empfehlenswert.

Saatgut: Grundsätzlich gilt, dass nur ökologisch vermehrtes Saat- und Pflanzgut verwendet werden darf. Der ausnahmsweise Einsatz von konventionellem Saatgut (ungebeizt) ist bei bestimmten Kulturen möglich.

Pflanzenschutz: Chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und der Einsatz genmanipulierter Organismen sind nicht erlaubt. Vorbeugende Maßnahmen wie beispielsweise eine vielfältige Fruchtfolge, die Wahl resistenter Sorten, der Anbau von konkurrenzstarken, deckenden Kulturen und Sorten, Saatzeitpunkt, und die Bodenbearbeitung sind zu berücksichtigen. Bei der Grundbodenbearbeitung dominiert nach wie vor der Pflug. Eine begrenzte Auswahl zugelassener Pflanzenstärkungs- und Pflanzenschutzmittel steht zur Verfügung. Hier sind die Positivlisten im Anhang der EG Öko-VO bzw. die Verbandsrichtlinien zu beachten. Die direkte Unkrautregulierung erfolgt durch mechanische (Hacken und Striegeln) und thermische Verfahren. Mittlerweile steht in diesem Bereich eine Vielzahl von innovativer Technik zur Verfügung.

Nährstoffversorgung: Chemisch-synthetische N- und P-Dünger und Klärschlamm sind im Ökolandbau nicht zulässig. Die Gesamtmenge des im Betrieb ausgebrachten Wirtschaftsdüngers tierischer Herkunft darf 170 kg N/ha und Jahr nicht überschreiten. Zur Ergänzung der wirtschaftseigenen Dünger und zum Ausgleich von Nährstoffverlusten aus dem Betriebskreislauf können betriebsfremde Wirtschaftsdünger sowie organische und mineralische Handelsdünger eingesetzt werden. (Anhang I der EG-Verordnung) Bei den Anbauverbänden sind zudem geringere Mengen zu beachten.

Umstellungszeiten: Die Acker- und Grünlandflächen müssen mindestens eine zweijährige Umstellungszeit durchlaufen, bis die Erzeugnisse als Öko-Produkt gekennzeichnet und vermarktet werden dürfen. Die erste Umstellungsware wird 12 Monate nach der Anmeldung bei der Kontrollstelle geerntet. Die Erlöse fallen während der Umstellung niedriger aus. In der Zeit lassen sich vorrangig auch nur Futtergetreide und Futterkörnerleguminosen vermarkten. Während der Umstellungszeit ist auch Saatgutvermehrung möglich. Saatgut aus der Umstellungszeit ist anerkanntem Ökosaatgut gleichgestellt.

Investitionen: In der Regel stehen bei einer Umstellung im Ackerbau Anschaffungen in Hack- und Striegeltechnik zu berücksichtigen. Ein großer Vorteil ist, wenn bereits Lager- und Aufbereitungstechnik für Druschfrüchte und Kartoffeln vorhanden sind. Unter Umständen stehen hier weitere Investitionen an.

Dr. Ulrich Klischat, LWK Niedersachsen

Der Umstellungsprozess muss gut und intensiv vorbereitet sein. Sprechen Sie dazu die Berater der LWK Niedersachsen an: Dr. Ulrich Klischat, Tel. 0511-3665-4394 (Ökonomie); Steffen Döring, Tel. 0511-3665-4278 (Rinder- und Milchviehhaltung); Markus Mücke, Tel. 0511-3665-4378 (Pflanzenbau); Jan Hempler, Tel. 0511-3665-4494 (Schweinehaltung).

Dr. Ulrich Klischat, Fachbereichsleiter Ökologischer Landbau der LWK Niedersachsen, wird im Interview „Ökolandbau wird gesellschaftsfähig“ befragt. — Quelle: LAND & Forst

Nachgefragt: Ökolandbau wird gesellschaftsfähig

Immer mehr Bauern liebäugeln damit, ihren Betrieb auf Öko umzustellen. Wir haben den Fachbereichsleiter Ökologischer Landbau der LWK Niedersachsen, Dr. Ulrich Klischat, zu der außergewöhnlichen Situation befragt.

Spüren Sie in Ihrem Fachbereich durch die Schieflage einiger Betriebe eine Veränderung in der Beratungstätigkeit? Für die Gruppe der Milchviehhalter ist der Ökolandbau durch den riesigen Abstand bei den Erzeugerpreisen zwischen konventioneller und Öko-Milch rein wirtschaftlich eine sehr interessante Alternative. In den vergangenen Monaten hatten wir daher viele Anfragen von Milchviehhaltern. Ähnlich ist das in der Veredlung, speziell bei Schweinehaltern. Auch hier gibt es große Preisabstände bei den Erzeugerpreisen und viele Landwirte suchen nach Alternativen. Seit einigen Wochen registrieren wir auch verstärkt Nachfragen von Marktfruchtbetrieben nach Umstellungsberatung. Ein wichtiger Grund neben der ökonomischen Situation ist vermutlich auch die sich verändernde öffentliche Wahrnehmung von Landwirtschaft in unserer Gesellschaft. Öko wird zunehmend gesellschaftsfähig, wie die Umsatzentwicklung im LEH zeigt.

Wo liegen die Knackpunkte bei der Umstellung? Für Milchviehbetriebe ist es momentan sehr schwierig, eine Molkerei zu finden, die zusätzliche Ökomilch aufnimmt. Auch die Flächenausstattung und Futtergrundlage, besonders in West-Niedersachsen, ist ein begrenzender Faktor für die Umstellung der Milchviehhalter. In der Schweinehaltung stellen interessierte Betriebsleiter immer wieder ernüchtert fest, dass sich der hohe Deckungsbeitrag sehr schnell wieder relativiert, wenn die deutlich höheren Arbeits- und Gebäudekosten in der Erfolgsrechnung berücksichtigt werden. Ein Problem ist teilweise die Vermarktung der Produkte. Hier werden die Betriebe intensiv von den Anbauverbänden begleitet, Mengen gebündelt und Preise mit Verarbeitern verhandelt. Sie haben hier eine wichtige Funktion.

Was passiert nach den Beratungsgesprächen? Nach der Umstellungsberatung folgt oftmals eine Besinnungszeit, in der die Betriebsleiterfamilien sich intensiv mit Fragen rund um die Umstellung auseinandersetzen. Ist die Entscheidung gefällt, hat sie sehr schnell reale Auswirkungen zur Folge. Das beginnt mit der intensiven Suche und Kontaktaufnahme zu Betrieben, die gelungene Betriebskonzepte aufweisen, Planung von baulichen Veränderungen bei den Gebäuden, Gestaltung von geeigneten Umstellungsfruchtfolgen bis hin zu Fragen rund um die Nährstoffversorgung oder Vermarktung der Erzeugnisse. Ra.

Ein großer Teil der Bioware im Supermarkt wird importiert. — Foto: agrarfoto.com

Zwischen Ökologie und Ökonomie

Lohnt die Umstellung auf Öko-Landbau oder sind die Märkte schon gesättigt? Diese Frage beschäftigte die Junge DLG. Sie lud zur Tagung in die Martin-Luther-Universität in Halle (Saale) ein.

Für den Referenten Professor Dr. Ulrich Hamm, Fachgebietsleiter Agrar- und Lebensmittelmarketing, Universität Kassel, war die Antwort eindeutig: „Die Umstellung auf Öko-Landbau hat sich für die große Mehrzahl der Öko-Betriebe gelohnt – sie erwirtschafteten laut Agrarberichterstattung der Bundesregierung in den letzten zwei Jahrzehnten in fast allen Jahren höhere Gewinne als konventionelle Vergleichsbetriebe.“

Der Öko-Markt sei seit vielen Jahren ein Wachstumsmarkt, während der konventionelle in Deutschland und weltweit kontinuierlich Marktanteile verloren habe. Es deute nichts auf eine Trendwende hin, Öko-Produkte genießen eine hohe Wertschätzung in breiten Teilen der Bevölkerung. Die heimische Erzeugung hält mit der Nachfrage nicht im gleichen Maße mit, es muss mehr importiert werden.

„Diesen lukrativen Markt sollten wir nicht ausländischen Anbietern überlassen“, sagte Hamm. Der Ökolandbau habe in Deutschland Chancen: Sojabohnen, Obst und Feingemüse, Geflügel- und Schweinefleisch, Eiweißfutterpflanzen, Futtergetreide und mit etwas Abstand Milch haben in dieser Reihenfolge die größten Potenziale insbesondere, wenn sie als Regionalprodukt verkauft werden, ist Hamm überzeugt. Es gäbe gute Chancen für die Vermarktung im Inland, und für den Export.

„In China und einigen anderen Ländern wird von der reichen Elite, immerhin mehrere Millionen Menschen, fast jeder Preis für Babykost und Milchprodukte ‚made in Germany‘ bezahlt, weil den eigenen Anbietern nicht getraut wird.“ Dennoch werde es nicht auf 100-Prozent-Bioproduktion hinauslaufen, es werde immer Unterschiede geben. Mittelfristig könne der heimische Markt locker 20 % vertragen, also mindestens viermal so viel wie heute. Das hieße aber, dass neue Kundenschichten im In- und Ausland gezielt erschlossen werden müssten.

Nicht über den Preis, sondern über die Kommunikation der Nutzenvorteile. Dazu gehöre, diese deutlich zu benennen und die in der Bevölkerung vorhandenen Zweifel, ob „Bio“ denn wirklich richtliniengemäß erzeugt wurde, auszuräumen. Wenn der besondere Wert einer ökologischen Erzeugung besser kommuniziert werde, seien auch doppelt so hohe Verbraucherpreise kein Problem. „Wenn Motorenöl teurer verkauft wird als Speiseöl, wenn Mineralwasser teurer ist als Milch, oder Kosmetik zum vielfachen Rohstoffpreis verkauft wird, dann zeigt das, woran der Agrar- und Lebensmittelsektor krankt. Ein Verbraucher muss wissen, warum es sich lohnt, für hochwertige Lebensmittel mehr Geld auszugeben. Weiß er das nicht, wird er auch nicht den Geldbeutel weiter als notwendig öffnen“, fasste Hamm zusammen.

Skeptischer war Dr. Peter Wagner, Professor für Landwirtschaftliche Betriebslehre an der Uni Halle. In seiner Begrüßung eingangs der Veranstaltung sagte er: „Bio ist ökonomisch sinnvoll, aber nicht in Deutschland“. Deutschland sei aufgrund der höheren Produktionskosten kaum konkurrenzfähig und Verbraucher bevorzugen preiswertere, konventionelle Ware. „Bio“ gehe dahin, wo der Boden günstig sei. Das wären beispielsweise osteuropäische Länder wie Estland und Lettland, deren Ökolandbau überdurchschnittlich zunehme. In der Folge stiegen bei uns die Importe und „bio“ wäre durch die weiten Transportwege häufig nicht ökologisch. Seiner Ansicht nach muss die Wertschöpfung des Ökolandbaus erhöht und die Tierhaltung intensiviert werden. – Be

Die heimliche Biorevolution in Weser-Ems

Perspektiven. „Bio“ und „Weser-Ems“ – das scheint nicht zusammen zu passen. Diese Region spielt jedoch für Bio eine wichtige Rolle, denn über ein Drittel aller Bioeier in Deutschland kommt aus Weser-Ems. Viele der Bio-Legehennenbetriebe kooperieren direkt mit Bio-Höfen im Osten Niedersachsens, in dem sie von diesen Futter beziehen und ihnen dafür Hühnertrockenkot (HTK) liefern – eine moderne Form der Kreislaufwirtschaft. Über größere Entfernungen bietet sich dafür nur HTK an, weil dieser aufgrund seiner hohen Nährstoffdichte im Bio-Bereich auch noch über mehr als 100 Kilometer transportwürdig ist. Mist, Gülle und Gärreste aus Biogasanlagen sind in ungetrocknetem Zustand nur bis zu 20 Kilometer Entfernung transportwürdig. Um organischen Dünger einsetzen zu können, müssen Biolandwirte in Ostniedersachsen entweder selbst Tiere aufstallen oder sie müssen mit passenden Nachbarn kooperieren. Geht auch das nicht, dann bleibt noch die Möglichkeit, einen entsprechenden Biounternehmer aus Weser-Ems zur Investition in einen Biostall in Ostniedersachsen zu bewegen. So wird Ökologie und Ökonomie entsprechend der jeweiligen Stärken vereinigt. Conrad Thimm, Bio2030. Mehr über die Zukunftsaussichten der unterschiedlichen Betriebszweige lesen Sie in der kommenden Ausgabe.

Was die Verbände sagen

Umfrage: Umstellungswillige wenden sich zwecks Beratung häufig an einen Bio-Verband vor Ort. Wir haben uns an die am häufigsten in Niedersachsen vertretenen Ökoverbände gewandt und nach ihren bisherigen Erfahrungen gefragt.

Unsere Fragen an die Verbände:

  1. Welches Segment erfährt zurzeit in Ihrem Verband die stärkste Nachfrage nach einer Umstellung?
  2. Welche Anforderungen müssen die Umsteller in diesem Bereich erfüllen? Wo liegen die Knackpunkte/Hürden?
  3. Welche finanziellen Hilfen gibt es für Umstellungsbetriebe in Niedersachsen?

Bioland:

1. Aktuell fragen vor allem Milcherzeuger bei Bioland an – bereits eine größere Anzahl hat mittlerweile mit der Umstellung begonnen. Andere Betriebe suchen Einkommensalternativen z.B. in der Rindfleischerzeugung oder durch den Einstieg in die mobile Geflügelhaltung. Aber auch Ackerbaubetriebe zeigen bei stabiler Nachfrage im Biomarkt ein verstärktes Umstellungsinteresse. Eine starke Nachfrage gab es zudem bei unseren Informationsveranstaltungen für Schweine- und Obstbaubetriebe. Auch dort sind noch deutliche Potenziale für Umstellungsinteressenten vorhanden.

2. Für die Milchviehbetriebe ist der Hauptknackpunkt eine verbindliche Zusage einer Molkerei zur Abnahme der Biomilch. Außerdem sind ein Laufstall sowie Weidegang für die Kühe eine wichtige Voraussetzung. Kälbern und Färsen muss, falls keine Weide möglich ist, ein Auslauf zur Verfügung gestellt werden. Bei Schweinen und Geflügel sind Ausläufe ebenfalls vorgeschrieben. Hinzu kommt bei allen Tierarten, dass der Betrieb in der Lage sein muss, die Futtergrundlage bereitzustellen. Im ökologischen Ackerbau sind besonders die mechanische Beikrautregulierung und der Verzicht auf mineralische Düngemittel Grundlage der Bewirtschaftung.

Kontakt: Harald Rasch, Bioland Landesverband Niedersachsen/Bremen e.V., Tel. 04262-9590-23, Mobil 0151/108 203 89, harald.rasch@bioland.de

Naturland:

1. Die größte Nachfrage gibt es in Niedersachsen bei Milchvieh- und Schweinehaltern. Eine gute Perspektive bei der Umstellung auf Ökolandbau haben allerdings auch Ackerbauern, speziell im Segment Speise- und Futtergetreide. Wegen steigender Nachfrage nach Ökofutter sind die realisierbaren Preise zurzeit doppelt so hoch wie bei konventionellem Futter. Der Preis für Öko-Futtergetreide liegt zurzeit bei 30 Euro pro Dezitonne gegenüber 15 Euro für konventionelles Getreide. Das macht die Umstellung attraktiv.

2. Als Anforderung zunächst einmal natürlich den Verzicht auf Mineraldünger und chemischen Pflanzenschutz. Das bedeutet in der Folge, mit dem halben Ertrag auszukommen. Öko-Ackerbaubetriebe haben daher, gemessen am Ertrag, hohe Flächenkosten. Die Vermarktung des Getreides erfolgt außerdem meist überregional, da eine Lieferung an das Getreidelager des örtlichen Landhandels in der Regel nicht möglich ist. Mit der Umstellung ändern sich also die Marktpartner, und die Transportkosten steigen. Außerdem ist es gerade bei Speisegetreide unabdingbar, in eine eigene Lagerhaltung zu investieren. Naturland berät Umsteller und unterstützt sie bei der Vermarktung.

Kontakt: Andreas Jessen, Bahnhofstraße 15b, 27374 Visselhövede, Telefon 04262-957267, E-Mail: a.jessen@naturland-beratung.de

Bäuerliche Gesellschaft/Demeter:

1. Die Nachfrage verteilt sich. In den vergangenen beiden Jahren haben zwölf Voll- und Nebenerwerbsbetriebe umgestellt. Sie kommen aus unterschiedlichen Bereichen wie Obstbau, Ackerbau, Direktvermarktung, Rinder, Schafe, Schweine und Hühner.

2. Die EG-Öko-Verordnung ist im gesamten Betrieb umzusetzen. Darauf aufbauend erfolgt die Bewirtschaftung gemäß den Demeter-Richtlinien. In der Regel erfolgt eine Vollanerkennung nach drei Jahren biologisch-dynamischer Bewirtschaftung. Die Haltung von 0,2 rauhfutterfressenden Großvieheinheiten (z. B. Rind, Schaf, Ziege, Pferd) pro Hektar ist verpflichtend. In Ausnahmefällen sind Futter-Mist-Kooperationen mit anderen Biohöfen möglich, falls eine eigene Tierhaltung nicht umsetzbar ist. Reine Garten- und Obstbetriebe sind von dieser Verpflichtung befreit. Bei Schweinen gibt es eine Auslaufpflicht, Rinder müssen Hörner tragen, entsprechend sind die Haltungsbedingungen anzupassen. Vorgegeben ist auch eine Fruchtfolge mit einem hohen Anteil an Leguminosen, z. B. durch mehrjähriges Kleegras, sowie die Etablierung der Kompostwirtschaft.

Kontakt: Geschäftsführer Friedemann Wecker, Telefon 04132-9330190, www.demeter-im-norden.de

3. Förderung:

Gerade in der Umstellungszeit wird viel Geld benötigt. Aktuell liegt die Förderung für Acker und Grünland bei 403 Euro/ha für Umsteller (1. und 2. Jahr) und bei 273 Euro/ha für Beibehalter (ab dem 3. Jahr). Zusätzlich wird ein Kontrollkostenzuschuss von 50 Euro/ha bis max. 600 Euro je Betrieb gewährt. Für Gemüse und Dauerkulturen gibt es höhere Fördersätze. Zusätzlich gibt es Kombinationsmöglichkeiten, wie die Ringelschwanz- bzw. Schnäbelprämie und Unterstützung durch die Agrarinvestitionsförderung (AFP) bei dem Bau von tiergerechten Ställen. Anträge können in diesem Jahr noch bis zum 30. September gestellt werden.